KI-Woche im Überblick: Anthropics Rekordquartal, acht Klagen gegen OpenAI, Metas Muse

Aufgeschlagene Zeitungen auf einem Tisch als Sinnbild für den Wochenrückblick
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In dieser Woche ging es weniger um neue Rekorde in Ranglisten als um die Frage, wer mit KI Geld verdient und wer für ihre Folgen haftet. Anthropic zeigte Investoren ein Quartal mit 16,8 Milliarden Dollar Umsatz, acht US-Bundesstaaten verklagten OpenAI, und Meta meldete sich mit einem Spitzenmodell zurück, während Berichte über seinen Agenten Muse Fragen zum Datenschutz aufwerfen. Dazu kamen Googles Gemini 4 Argon für zahlende Nutzer, die Insolvenz von Character.AI und Microsofts nächster eigener KI-Chip. Das sind die sechs Meldungen vom 9. bis 15. Oktober, die zählen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anthropic hat Investoren laut Bloomberg für das dritte Quartal 16,8 Milliarden Dollar Umsatz und einen bereinigten Gewinn präsentiert; der Börsengang könnte noch vor Thanksgiving stattfinden.
  • Arizona, Arkansas, Idaho, Iowa, Kansas, Montana, Nebraska und West Virginia haben OpenAI am 14. Oktober verklagt, weil ChatGPT als sicher vermarktet, aber für Minderjährige gefährlich sei.
  • Metas Muse Wonder Full liegt im Intelligence Index von Artificial Analysis gleichauf mit Claude Sonnet 5.5; zugleich legt Metas Agent Muse laut Wired stündlich aktualisierte Profile über Freunde und Familie seiner Nutzer an.
  • Gemini 4 Argon ist seit dem 13. Oktober für Abonnenten von Google AI Pro und Ultra in der Gemini-App verfügbar; Google zeigte das Modell zudem als Werkzeug für die Robotik.
  • Character.AI hat Insolvenz nach Chapter 11 angemeldet, Disney bietet 20 Millionen Dollar für eine Lizenz; Microsoft kündigte mit Maia 300 einen eigenen Inferenz-Chip für 2027 an.

Anthropic: 16,8 Milliarden Dollar im Quartal vor dem Börsengang

Am Mittwoch hat Anthropic potenziellen Aktionären in seiner Zentrale in San Francisco Zahlen vorgelegt, über die zuerst Bloomberg berichtete. Danach stieg der Umsatz im dritten Quartal auf 16,8 Milliarden Dollar, nach rund 11,6 Milliarden im zweiten und 4,7 Milliarden im ersten Quartal. Das Wachstum gegenüber dem Vorquartal liegt damit bei etwa 45 Prozent und fällt schwächer aus als zu Jahresbeginn. Auf bereinigter Basis, also ohne bestimmte Sonderposten, war Anthropic im Quartal profitabel. Zur Einordnung: Im gesamten Jahr 2025 hatte das Unternehmen rund 4,6 Milliarden Dollar umgesetzt und einen operativen Verlust von mehr als 8 Milliarden Dollar geschrieben, wie der in Teilen bekannt gewordene Börsenprospekt zeigte. Laut Bloomberg könnte die Vermarktung der Aktie ab dem 9. November beginnen, angestrebt wird eine Bewertung von mehr als zwei Billionen Dollar. Eine Schwachstelle benennt die Financial Times: Knapp ein Viertel des Umsatzes stammte zuletzt von nur zwei Kunden. Anthropic selbst hat die Zahlen nicht öffentlich kommentiert; belastbar werden sie erst mit dem endgültigen Prospekt.

Acht US-Bundesstaaten verklagen OpenAI

Die Generalstaatsanwälte von Arizona, Arkansas, Idaho, Iowa, Kansas, Montana, Nebraska und West Virginia haben am 14. Oktober koordiniert, aber jeweils vor eigenen Gerichten Klage gegen OpenAI eingereicht. Der Kern des Vorwurfs: OpenAI habe ChatGPT als sicher vermarktet und die Risiken verschwiegen. Der Chatbot habe Nutzer in Richtung Selbstverletzung und Gewalt gelenkt, Wahnvorstellungen verstärkt, gefährliche medizinische Ratschläge gegeben und durch übertriebene Zustimmung ein Vertrauen erzeugt, das gerade für Kinder riskant sei. Montana stützt sich zusätzlich auf sein Datenschutzgesetz, weil ChatGPT weder das Alter prüfe noch vor dem Sammeln von Daten unter 13-Jähriger die Zustimmung der Eltern einhole. Die Staaten verlangen Geldstrafen, Entschädigungen und strengere Schutzvorkehrungen; laut heise fordern einige auch, fortgeschrittene Modelle nur noch in unabhängig geprüften, abgesicherten Umgebungen zu testen. Iowas Generalstaatsanwältin Brenna Bird wirft OpenAI vor, ChatGPT trotz bekannter Schäden für Kinder in hohem Tempo weiterentwickelt zu haben. OpenAI verweist auf Elternkontrollen, Pausenhinweise und den im September gestarteten eingeschränkten Modus für 13- bis 18-Jährige. Bewiesen ist vor Gericht noch nichts; neu ist vor allem die Größenordnung, nachdem bisher Florida und Privatpersonen geklagt hatten.

Meta: starkes Modell, heikler Agent

Am 12. Oktober hat Meta Superintelligence Labs Muse Wonder und die stärkere Variante Muse Wonder Full vorgestellt, gebaut für Programmierarbeit, lange Agenten-Aufgaben und die Bedienung von Computern. Im unabhängigen Intelligence Index von Artificial Analysis erreicht die Full-Variante 56 Punkte, gleichauf mit Claude Sonnet 5.5 und knapp hinter Claude Opus 5.5. Das Standardmodell kostet über Metas Schnittstelle 4 Dollar je Million Eingabe- und 20 Dollar je Million Ausgabetoken; die Full-Variante gibt es nur im Abo des Programmierwerkzeugs Muse Code. Wer die Modelle nutzen kann und zu welchen Bedingungen, haben wir in unserem Artikel zu Muse Wonder aufgeschlüsselt. Kurz darauf folgte die Kehrseite. Der Sicherheitsforscher Karan Joshi brachte Metas persönlichen Agenten Muse dazu, seine internen Anweisungen preiszugeben. Danach legt Muse für jede relevante Person im Leben des Nutzers eine Seite an, mit Geburtstag, Adresse, gemeinsamer Geschichte und dem, was die Beziehung gerade „braucht“, und aktualisiert sie stündlich, auch für Menschen, die Muse selbst nie benutzt haben. Meta bestritt die Darstellung gegenüber Wired nicht und erklärte, Agenten bräuchten Kontext; die Daten stammten aus öffentlichen Informationen und dem, was Nutzer freiwillig teilten. In Deutschland ist Muse bislang nicht verfügbar.

Gemini 4 Argon für Abonnenten, mit Blick auf Roboter

Seit dem 13. Oktober rollt Google sein Spitzenmodell Gemini 4 Argon weltweit für Abonnenten von Google AI Pro und Ultra in der Gemini-App und im KI-Modus der Suche aus. Bei der Vorstellung am 30. September war für Privatkunden nur vom teureren Ultra-Abo die Rede. Neu ist ein Aufgabenmodus, in dem Gemini auch dann weiterarbeitet, wenn man nicht am Rechner sitzt. Entwickler zahlen über die Schnittstelle bis zum 30. November 2 Dollar je Million Eingabe- und 10 Dollar je Million Ausgabetoken, danach das Doppelte; Details stehen in unserem Artikel zum Argon-Start. Am 15. Oktober zeigte Google, wie Argon Roboter steuern, aus Fotos oder Skizzen Simulationen bauen und Trainingsvideos bewerten soll. Im hauseigenen Robotik-Test ERQA erreicht es 87 Prozent und liegt laut Google vor Claude Opus 5.5 mit 82,3 Prozent. In einer Demo stieg die Erfolgsquote eines echten Roboters nach Training in einer aus einem Foto erzeugten Simulation von 56 auf 75 Prozent. Wie viele Versuche dahinterstehen, nennt Google nicht, und die veröffentlichten Beispiel-Anweisungen zeigen, wie viel menschliche Vorarbeit die Demos brauchen.

Character.AI insolvent, Disney greift zu

Character Technologies, das Unternehmen hinter der Begleiter-Plattform Character.AI, hat am 12. Oktober vor dem Insolvenzgericht in Delaware ein freiwilliges Verfahren nach Chapter 11 eingeleitet. Die Vermögenswerte sollen unter Aufsicht des Gerichts verkauft werden. Als erster Bieter bietet Disney 20 Millionen Dollar plus Übergangsdienste für eine nicht exklusive, unbefristete Lizenz an bestimmtem geistigem Eigentum; höhere Gebote sind möglich. Die App läuft weiter, Abos bleiben aktiv, der Verkauf soll Ende November oder Anfang Dezember abgeschlossen sein. Findet sich kein Käufer, der die Plattform fortführt, wird sie abgewickelt. Wer dort Gespräche oder selbst erstellte Figuren hat, sollte seine Daten jetzt exportieren; mehr dazu in unserem Artikel zur Insolvenz. Der Fall zeigt, dass hohe Nutzerzahlen ohne tragfähiges Erlösmodell auch im KI-Boom nicht reichen.

Microsoft kündigt Maia 300 an

Am 12. Oktober hat Microsoft seinen nächsten eigenen KI-Chip vorgestellt. Maia 300 soll ab 2027 produziert werden und das wichtigste System für Inferenz werden, also für das Ausführen fertiger Modelle in Microsofts Diensten. Jeder Chip hat 288 Gigabyte HBM4-Speicher mit 18 Terabyte pro Sekunde Bandbreite, die Rechenteile fertigt TSMC im 2-Nanometer-Verfahren. Microsoft verspricht 40 Prozent mehr Token pro Megawatt als führende GPU-Systeme, nennt aber keine Vergleichskonfiguration. Der Vorgänger Maia 200 läuft bereits, unter anderem für Microsoft Copilot und OpenAI-Modelle. Für Nutzer ändert sich zunächst nichts, für Nvidia wächst die Konkurrenz durch die eigenen Großkunden.

Ausblick

Die Woche verschiebt die Frage, an der sich die großen Anbieter messen lassen müssen. Anthropic muss bis zum Börsengang zeigen, dass ein Quartalsgewinn auf bereinigter Basis kein Ausreißer ist, während OpenAI sich vor acht Gerichten zugleich gegen den Vorwurf verteidigen muss, ein unsicheres Produkt verkauft zu haben. Meta liefert das Lehrstück dazu: Ein Agent, der wirklich hilft, braucht Wissen über das Umfeld seines Nutzers, und genau dieses Wissen betrifft Menschen, die nie zugestimmt haben. Für Leser bleibt der praktische Nutzen konkret. Gemini 4 Argon lohnt einen Test für alle, die ohnehin ein Pro-Abo haben, und wer Character.AI nutzt, sollte vor dem Verkauf seine Daten sichern.

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