
Zwei Wochen lang war Gemini 4 Argon vor allem eine Ankündigung: Googles neues Spitzenmodell durften zunächst nur ausgewählte IT-Sicherheitsteams nutzen. Seit dem 13. Oktober ändert sich das. Argon steht jetzt allen Abonnenten von Google AI Pro und Ultra in der Gemini-App zur Verfügung, außerdem zahlenden Entwicklern über die Programmierschnittstelle. Für Nutzer heißt das: Das stärkste Google-Modell ist nicht mehr dem teuersten Abo vorbehalten. Für Entwickler läuft ab heute eine Frist, denn der günstige Einführungspreis endet am 30. November.
Das Wichtigste in Kürze
- Gemini 4 Argon wird seit dem 13. Oktober weltweit für Abonnenten von Google AI Pro und Ultra in der Gemini-App und im KI-Modus der Google-Suche ausgerollt. Nutzer ohne Abo und mit dem kleineren AI-Plus-Tarif bekommen es vorerst nicht.
- Neu in der App ist ein Tasks-Modus, in dem Gemini Aufgaben auch dann weiterbearbeitet, wenn man nicht am Rechner sitzt.
- Google verspricht direktere Antworten mit weniger Absicherungsfloskeln, Wiederholungen und Klischees.
- Über die API kostet Argon bis zum 30. November 2 Dollar je Million Eingabe- und 10 Dollar je Million Ausgabe-Token. Ab dem 1. Dezember verdoppeln sich alle Preise; ein kostenloses Kontingent gibt es nicht.
- 10.000 Forschende können sich um sechs Monate kostenlosen Zugang zur höchsten Nutzungsstufe von Googles Programmierumgebung Antigravity bewerben.
Wer Argon jetzt bekommt
Die wichtigste Änderung betrifft das kleinere der beiden großen Abos. Als Google das Modell am 30. September vorstellte, war für Privatkunden nur von Ultra die Rede. Jetzt erhalten auch Pro-Abonnenten Zugang, in der Gemini-App und im KI-Modus der Google-Suche, also der Chat-artigen Suchansicht, die es seit Oktober 2025 auch auf Deutsch gibt. In den USA kostet Pro 19,99 Dollar im Monat, Ultra 99,99 Dollar. Ultra bietet laut Google „höheren Zugang“ zu Argon; konkrete Nutzungsgrenzen für die beiden Tarife hat Google bisher nicht veröffentlicht. Ultra-Abonnenten können Argon zusätzlich in Antigravity einsetzen, Googles Umgebung für Programmieragenten.
Google spricht von einem weltweiten Start, verteilt das Modell aber schrittweise. Ein Autor von Android Police mit Pro-Abo sah Argon am ersten Tag noch nicht in der App. Wer es nicht findet, sollte die Gemini-App aktualisieren und in der Modellauswahl nachsehen. Der kostenlose Gemini-Zugang und der Einstiegstarif AI Plus bleiben vorerst außen vor. Für IT-Sicherheitsfachleute läuft parallel das Fairwind-Programm weiter, das eine Version ohne die üblichen Cyber-Schutzschranken bereitstellt.
Was sich in der App ändert
Google beschreibt den Unterschied im Alltag weniger über Benchmarks als über den Antwortstil. Argon soll Fragen direkter beantworten, weniger ausweichend formulieren, sich seltener wiederholen und auf typische KI-Klischees verzichten. Bei längeren Aufgaben meldet es häufiger und verständlicher, wie weit es ist. Das klingt unspektakulär, trifft aber eine der häufigsten Beschwerden über Chatbots: Antworten, die erst drei Absätze lang einordnen, bevor sie zur Sache kommen.
Spürbarer ist der neue Tasks-Modus. Über einen Umschalter im Chatfenster wechselt man von der Unterhaltung zu Aufgaben, die Gemini eigenständig abarbeitet, auch wenn man den Rechner verlässt. Dabei kann es Googles eigene Apps einbeziehen. Für Entwickler steckt Antigravity jetzt direkt in der Gemini-App für macOS, sodass der Wechsel zwischen Chat und Programmierarbeit ohne separates Werkzeug auskommt. Wie gut Tasks bei längeren Abläufen tatsächlich funktioniert, lässt sich am ersten Tag noch nicht seriös beurteilen; unabhängige Praxistests der App fehlen bislang.
Für Entwickler: Preise mit Ablaufdatum
Über die Gemini-API trägt das Modell die Kennung gemini-4-argon. Bis zum 30. November kostet eine Million Eingabe-Token 2 Dollar, eine Million Ausgabe-Token einschließlich der internen Denkschritte 10 Dollar. Zwischengespeicherte Eingaben kosten 10 Cent, im Stapelbetrieb halbieren sich die Preise. Vom 1. Dezember an verdoppelt sich alles auf 4 und 20 Dollar. Damit wird Argon teurer als das Vorgängermodell Gemini 3.1 Pro, das bei Eingaben bis 200.000 Token 2 Dollar und bei Ausgaben 12 Dollar kostet.
Wie teuer eine Aufgabe am Ende wird, hängt aber weniger vom Listenpreis ab als von der Zahl der verbrauchten Token. In unserer Analyse zum Start fiel Argon durch einen hohen Token-Verbrauch auf. Die Vergleichsplattform Arena kommt in ersten eigenen Tests dagegen zu dem Ergebnis, dass eine Aufgabe mit Argon 70 Prozent weniger kostet als mit Claude Opus 5.5 und ein Drittel weniger als mit GPT-6.1 Sol. Beides kann zutreffen, je nach Art der Aufgabe. Für Teams heißt das praktisch: Die sieben Wochen Einführungspreis eignen sich, um Argon mit den eigenen Abläufen zu messen. Die Kalkulation sollte aber mit dem doppelten Preis ab Dezember rechnen.
Einordnung: stark, aber nicht unumstritten
Bei Wissensarbeit wie Recht und Finanzen führt Argon mehrere Ranglisten an, beim Programmieren in der Kommandozeile liegt die Konkurrenz teils vorn. Neu ist, dass auch aus Google selbst gemischte Signale kommen. Laut einem Bericht von Bloomberg halten einige Ingenieure mit Zugang das Modell bei echten Programmieraufgaben, vor allem beim Gestalten von Benutzeroberflächen, für schwächer, als die Testergebnisse nahelegen. Google nennt es „unzutreffend“, dass Gemini 4 beim Programmieren hinter den Erwartungen zurückbleibe. Googles KI-Chefarchitekt Koray Kavukcuoglu deutete zudem an, eine frühe Version des Nachfolgers so bald wie möglich ausrollen zu wollen.
Für Pro-Abonnenten ist die Lage damit einfach: Argon kostet nichts extra und lässt sich ab sofort im eigenen Alltag gegen das bisherige Modell vergleichen, am aufschlussreichsten bei langen Dokumenten und Aufgaben, die man bisher in viele Einzelschritte zerlegen musste. Wer nur gelegentlich chattet, wird vor allem den knapperen Ton bemerken. Für Entwickler zählt die Uhr: Wer Argon in ein Produkt einbauen will, sollte den Einführungspreis für Messungen nutzen und nicht für die Kalkulation.
Quellen
- Google: Gemini 4 Argon: Built to solve your hardest problems (13.10.2026)
- Google: Gemini 4 Argon is now available in the Gemini app
- Google AI for Developers: Gemini API Pricing
- Thurrott: Gemini 4 Argon comes to the Gemini app for AI Pro and Ultra subscribers
- Android Police: Gemini 4 Argon is here
- Startup Fortune: Google ships Gemini 4 Argon while staff quietly test what comes after it
- Arena: First impressions of Gemini 4 Argon
- Google Blog: Der KI-Modus startet in Deutschland, Österreich und der Schweiz

