
Masayoshi Son hat sein Firmenimperium schon einmal auf eine einzelne Wette gesetzt und damit sowohl Milliardengewinne mit Alibaba als auch Milliardenverluste mit WeWork eingefahren. Diesmal heißt die Wette OpenAI: Mehr als 60 Milliarden US-Dollar hat SoftBank in den ChatGPT-Hersteller und angeschlossene KI-Infrastrukturprojekte gesteckt, finanziert auch über Kredite und Pfandgeschäfte mit dem eigenen Kronjuwel, dem Chipdesigner Arm. Seit Anfang Juni hat sich der SoftBank-Aktienkurs in etwa halbiert, Ratingagenturen beobachten die Kreditwürdigkeit genau – und Son selbst nennt die Sorgen vor einer KI-Blase „absurd“.
Das Wichtigste in Kürze
- SoftBank hat sich zu mehr als 60 Milliarden Dollar für OpenAI und verwandte KI-Infrastruktur verpflichtet, finanziert unter anderem über einen 40-Milliarden-Dollar-Überbrückungskredit (fällig März 2027) und ein 20-Milliarden-Dollar-Darlehen, das mit Arm-Aktien besichert ist.
- Im zweiten Halbjahr 2026 werden rund 30 Milliarden Dollar an Verpflichtungen fällig.
- Die SoftBank-Aktie ist seit Anfang Juni um etwa 50 Prozent gefallen, während sich die Kosten für Kreditausfallversicherungen auf die SoftBank-Schulden deutlich erhöht haben.
- S&P Global bezifferte die Verschuldungsquote (Loan-to-Value) Ende März auf 33 Prozent – fast doppelt so hoch wie die von SoftBank selbst bevorzugte Marke von 17 Prozent und über der intern gesetzten Obergrenze von 25 Prozent.
- Trotz der Risiken erwarten Analysten für das April-Juni-Quartal einen Nettogewinn von umgerechnet gut 940 Millionen US-Dollar, getragen von der gestiegenen Bewertung der OpenAI-Beteiligung.
Wie aus einer Beteiligung eine Verschuldungsstrategie wurde
SoftBanks OpenAI-Engagement ist längst mehr als eine klassische Investorenbeteiligung. Der Konzern hat sich zusätzlich verpflichtet, das milliardenschwere US-Infrastrukturprojekt Stargate mitzufinanzieren, das gemeinsam mit OpenAI und weiteren Partnern Rechenzentrumskapazität im Umfang von geschätzt 500 Milliarden Dollar aufbauen soll. Um diese Summen zu stemmen, greift SoftBank auf ein Finanzierungsmuster zurück, das Analysten zunehmend kritisch sehen: Kredite, die durch die eigenen Beteiligungen abgesichert sind – allen voran die Anteile am britischen Chipdesigner Arm, SoftBanks bislang verlässlichste Einnahmequelle. Ein 20-Milliarden-Dollar-Margin-Darlehen gegen Arm-Aktien und ein 40-Milliarden-Dollar-Überbrückungskredit mit Fälligkeit März 2027 sollen die Lücke zwischen den fälligen OpenAI-Zahlungen und dem verfügbaren Kapital schließen. Ein Versuch, auch die eigene OpenAI-Beteiligung selbst als Kreditsicherheit zu nutzen, stieß laut Berichten zuletzt auf Zurückhaltung bei Kreditgebern, die bei Krediten gegen Anteile an nicht börsennotierten Unternehmen inzwischen vorsichtiger geworden sind.
Was die Ratingagenturen sehen
S&P Global hat SoftBanks Kreditausblick im Juli zwar von „negativ“ auf „stabil“ angehoben, verweist aber weiterhin auf die hohe Verschuldungsquote als Belastungsfaktor: Die Loan-to-Value-Ratio lag Ende März bei 33 Prozent und damit deutlich über der eigentlich von SoftBank angestrebten Zielgröße von 17 Prozent sowie der selbst gesetzten Obergrenze von 25 Prozent. Für Juni erwartet die Agentur eine leichte Entspannung auf 20 bis 25 Prozent, was zeigt, wie eng SoftBank hier kalkuliert. Fitch Ratings wiederum benennt in seiner Einschätzung explizit eine mögliche Korrektur am KI-Markt als eigenständiges Kreditrisiko für den Konzern – eine Formulierung, die zeigt, dass die Kreditwürdigkeit von SoftBank inzwischen direkt an die Bewertungsentwicklung der KI-Branche gekoppelt ist. Genau diese Kopplung ist der wunde Punkt: Solange OpenAI-Bewertungen steigen, wertet das SoftBanks Bilanz auf und trägt sogar zum erwarteten Quartalsgewinn bei. Kühlt sich die Bewertungsdynamik ab, wie sie sich etwa bei Microsofts extremer Kundenkonzentration im KI-Geschäft zeigt, kann dieselbe Rechnung in die andere Richtung kippen.
Sons Antwort: keine Blase, sondern zu wenig Kapital
Masayoshi Son selbst weist die Kritik zurück und dreht die Logik um: Statt einer Überinvestition sieht er die aktuellen Ausgaben als proportional zu einem Markt, der seiner Prognose nach bis 2040 ein jährliches Volumen von 5 Billionen Dollar erreichen werde. Bedenken wegen einer KI-Blase bezeichnete er als „absurd“. Diese Haltung passt zu Sons Investorenbiografie: Der SoftBank-Gründer hat in den 1980er- und 1990er-Jahren früh auf Yahoo und Alibaba gesetzt und damit einige der größten Einzelgewinne der Tech-Investmentgeschichte erzielt – aber mit der milliardenschweren WeWork-Fehlinvestition auch gezeigt, dass dieselbe Risikobereitschaft ebenso in spektakulären Verlusten enden kann. Die OpenAI-Wette ist bislang die mit Abstand größte in dieser Reihe.
Warum das über SoftBank hinaus relevant ist
Für Leser außerhalb der Finanzwelt ist die Geschichte vor allem deshalb interessant, weil sie zeigt, wie tief das KI-Wachstum inzwischen mit dem globalen Kreditsystem verwoben ist. Wenn ein Konzern wie SoftBank Kredite gegen sein wertvollstes Halbleiter-Asset aufnimmt, um eine Wette auf ein einzelnes KI-Labor zu finanzieren, hängt die Stabilität dieses Konzerns direkt an der Bewertung eines Unternehmens, das selbst noch keine durchgängige Profitabilität nachgewiesen hat. Ein deutlicher Rückgang der OpenAI-Bewertung würde nicht nur SoftBank-Aktionäre treffen, sondern könnte über die Arm-Verpfändung auch Teile der globalen Chip-Lieferkette in Mitleidenschaft ziehen, für die Arm-Technologie eine zentrale Grundlage ist. Ob Sons Fünf-Billionen-Dollar-Prognose eintrifft oder die Ratingagenturen mit ihrer Vorsicht recht behalten, wird sich an den kommenden Quartalszahlen und vor allem daran zeigen, ob SoftBank die für die zweite Jahreshälfte fälligen 30 Milliarden Dollar ohne weitere riskante Finanzierungskonstruktionen stemmen kann.
Quellen
- Yahoo Finance: SoftBank's AI funding plans to face reckoning at earnings
- TheNextWeb: SoftBank's debt-fuelled AI bet faces its reckoning at earnings
- CNBC: SoftBank's OpenAI bet and rising debt are raising liquidity crunch concerns
- t3n: Softbank und OpenAI: Warum die 65 Milliarden-Wette zum KI-Risiko wird
