
Manus hat mit Manus 2.0 eine neue Produktgeneration und mit Cue eine eigene App für persönliche KI-Agenten vorgestellt. Der interessante Schritt ist nicht nur ein besserer Antworttext: Agenten sollen eigene Kontaktadressen und einen eigenen Computer bekommen, während kreative Arbeiten in bearbeitbaren Projekten landen. Die Ende September vorgestellten Angebote richten sich damit an Menschen, die Aufgaben abgeben und Ergebnisse anschließend selbst weiterentwickeln wollen.
Das Wichtigste in Kürze
- Manus stellte Manus 2.0 und Cue am 28. September 2026 vor. Bloomberg berichtete unabhängig über den Produktstart.
- Cue ist eine separate App für persönliche Agenten. Der Hersteller nennt eigene E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Wallet und Computer als Ausstattung.
- Manus Studio bietet unter anderem einen Video-Editor mit bearbeitbarer Zeitleiste und eine Umgebung zur Spieleentwicklung.
- Cue startet als kostenlose Frühzugangsphase mit Einladungscode. Die Ankündigung nennt die iOS-Fassung noch als ausstehend nach App-Store-Prüfung.
- Die beschriebenen Möglichkeiten sind Herstellerangaben. Daraus folgt keine unabhängig belegte Zuverlässigkeit bei Alltagsaufgaben.
Cue macht Agenten erreichbar
Bloomberg beschreibt Cue als eigenständige Plattform auf der technischen Infrastruktur von Manus. Die eigenen Kontakt- und Zahlungswerkzeuge sollen persönliche Aufgaben im Auftrag des Nutzers ermöglichen. Das unterscheidet die Produktidee von einem Chatfenster, das nur während einer Unterhaltung hilfreich ist. Ein eigener Kontaktpunkt könnte eine Aufgabe über mehrere Rückmeldungen hinweg zusammenhalten, statt den Menschen zum ständigen Vermittler zu machen.
Die zugrunde liegende Manus-Dokumentation beschreibt bereits eine abgeschirmte virtuelle Computerumgebung mit Internetzugang und dauerhaftem Dateisystem. Das erklärt den Computerteil der Produktidee: Es geht um einen Arbeitsort für Software, nicht darum, dass ein weiterer physischer Rechner auf dem Schreibtisch stehen muss. Ein solches System kann Dateien und Werkzeuge in einer Umgebung zusammenbringen. Welche Ausstattung ein konkreter Cue-Zugang tatsächlich freischaltet, muss im jeweiligen Angebot geprüft werden.
Ein anschaulicher möglicher Auftrag wäre, mehrere Veranstaltungsorte anzufragen und die Antworten zu einer vergleichbaren Übersicht zusammenzuführen. Die eigene Adresse des Agenten könnte dabei zum Rückkanal werden. Das ist ein Anwendungsbeispiel, kein von uns ausgeführter Test. Sein Nutzen läge darin, Rückfragen und Ergebnisse beim Auftrag zu halten. Allein das Vorhandensein einer E-Mail-Adresse sagt jedoch nichts darüber aus, ob Preise, Termine oder Verfügbarkeiten richtig verstanden werden.
Bei Zahlungen ist die Formulierung des Herstellers enger als das Bild eines völlig freien digitalen Mitarbeiters: Der Agent soll innerhalb eines vom Nutzer gesetzten Budgets zahlen können. Die Ankündigung belegt damit eine vorgesehene Ausgabengrenze, aber keine universelle Akzeptanz bei Händlern. Ebenso lässt sich daraus keine bestätigte Verfügbarkeit sämtlicher Telefonfunktionen in Deutschland ableiten. Wer den Dienst ausprobieren möchte, sollte genau diese Bedingungen vor einer konkreten Aufgabe prüfen.
Manus Studio: Aus dem ersten Entwurf wird ein Projekt
Die kreative Seite des Starts ist für viele Leser unmittelbarer greifbar. Der offizielle Video-Editor von Manus arbeitet mit einer vollständigen Zeitleiste: Clips, Text und Ton bleiben bearbeitbar. Die Produktseite nennt die Desktop-App für macOS und Windows. Eigene Aufnahmen können importiert, einzelne Teile geändert und das fertige Video exportiert werden. Damit bleibt die weitere Bearbeitung Bestandteil des Angebots.
Für einen kleinen Verein oder ein Geschäft könnte das ein praktischer Einstieg sein: vorhandene Aufnahmen mit einer klaren Beschreibung zu einem ersten Clip zusammensetzen lassen und anschließend Reihenfolge, Text und Musik gezielt korrigieren. Dieses Vorgehen ist eine vorgeschlagene Anwendung, keine Aussage über eine gemessene Zeitersparnis. Der Mehrwert einer Zeitleiste liegt darin, dass eine brauchbare Einstellung erhalten bleiben kann, während nur ein anderer Bestandteil verändert wird.
Das ergänzt die jüngsten Entwicklungen bei KI-Sprachmodellen auf der Ebene des Arbeitswerkzeugs: Eine gute Tonspur ist ein Baustein, ein fertig bearbeitbarer Film ein anderer. Aus diesem Zusammenhang folgt keine bestätigte Integration von Eleven v4 in Manus. Entscheidend ist hier das Prinzip, erzeugte Medien in einem Projekt so zugänglich zu machen, dass Menschen die letzten Entscheidungen selbst treffen können.
Auch Game Dev folgt laut Produktseite einem iterativen Ansatz. Nutzer beschreiben Spielidee und Stil, spielen die erste Version und lassen Regeln, Steuerung oder Gestaltung verändern. Die veröffentlichten Spiele laufen im Browser und können per Link geteilt werden. Ein guter erster Versuch wäre deshalb ein kleines Spiel mit einem klaren Ziel. Ein überschaubarer Umfang macht nachvollziehbar, ob eine Änderung das Spiel tatsächlich verbessert.
Zugang und Leistungsversprechen sauber trennen
Die Startankündigung nennt Manus 2.0 für Web, Desktop und Mobilgeräte. Cue wird separat als kostenloser Frühzugang mit Einladungscode beschrieben; iOS sollte nach der App-Store-Prüfung folgen. Das ist der Stand der Ankündigung, keine Zusicherung, dass heute jeder Nutzer sofort hineinkommt. Ein zeitlich begrenzter Frühzugang sagt zudem noch nichts über spätere Preise aus. Die kostenlose Cue-Phase darf nicht pauschal auf sämtliche Manus-Angebote übertragen werden.
Zum technischen Unterbau führt Manus den Namen Cascade ein. Der Begriff bezeichnet die vom Unternehmen entwickelte Steuerung des Agenten, also die Organisation seines Arbeitsablaufs. Für Leser ist wichtiger, was beim eigenen Auftrag ankommt: ein nachvollziehbares Ergebnis, ein weiterbearbeitbares Projekt und ein Aufwand, der sich lohnt. Allgemeine Effizienzversprechen ersetzen diese konkrete Prüfung nicht, selbst wenn der Hersteller Messwerte aus einer einzelnen Konfiguration veröffentlicht.
Wer die neue Produktgeneration ausprobieren kann, sollte daher zunächst einen Auftrag wählen, dessen Ergebnis leicht zu beurteilen ist. Bei einem Video lassen sich Bildfolge und Ton direkt ansehen; bei einem Spiel kann die Steuerung selbst ausprobiert werden. Eine Recherche mit fremden Rückmeldungen ist schwerer zu prüfen. Diese Unterschiede entscheiden darüber, welcher Einstieg sinnvoll ist, ohne die grundsätzliche Produktidee kleinzureden.
Der Fortschritt liegt im Weiterarbeiten
Manus 2.0 verbindet zwei interessante Richtungen: Aufgaben erhalten einen eigenen digitalen Arbeitsort, und kreative Ergebnisse bleiben veränderbar. Cue könnte die erste Richtung in alltägliche Kommunikation tragen; Studio macht die zweite bereits als konkretes Bedienkonzept sichtbar. Ob daraus verlässliche Entlastung wird, lässt sich erst an realen Aufträgen und den jeweiligen Zugangsbedingungen beurteilen.
Besonders überzeugend ist deshalb die Idee, dass nach dem ersten erzeugten Ergebnis nicht Schluss ist. Ein hilfreiches KI-Werkzeug sollte Änderungen zulassen, vorhandenes Material einbeziehen und den nächsten Versuch auf dem bisherigen aufbauen. Daran lässt sich dieser Produktstart besser messen als an der Vorstellung eines digitalen Mitarbeiters, der angeblich alles erledigt.

