Werbung in ChatGPT: Wie OpenAI die Anzeigen von den Chats trennen will

Hand hält ein Smartphone mit geöffneter Chat-App vor unscharfem Hintergrund
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OpenAI hat angekündigt, Werbung in ChatGPT einzublenden, und passt dafür seine Datenschutzrichtlinie an. Betroffen sind die kostenlose Version und der günstige Go-Tarif; wer Plus, Pro oder einen Geschäftszugang bezahlt, bleibt werbefrei. Der Konzern verspricht, die Anzeigen strikt vom Chat zu trennen: Werbetreibende sollen keine Gespräche sehen, und für die Auswahl der Anzeigen will OpenAI nicht auf gespeicherte Chatverläufe zugreifen. Ob diese Trennlinie hält, ist die eigentliche Frage.

Das Wichtigste in Kürze

  • Werbung erscheint künftig in der Gratis-Version von ChatGPT und im Go-Tarif. Zahlende Abos (Plus, Pro, Enterprise, Business, Bildung) bleiben ohne Anzeigen.
  • Die Anzeigen werden nach dem Kontext des laufenden Gesprächs ausgewählt, ergänzt um grobe Signale wie ungefähren Standort, Uhrzeit und Gerätetyp.
  • Vergangene Chats und gespeicherte Erinnerungen sollen laut OpenAI nicht in die Anzeigenauswahl einfließen. Werbetreibende erhalten nur aggregierte Kennzahlen wie Aufrufe und Klicks.
  • In der EU ist personalisierte Werbung nur mit ausdrücklicher Einwilligung erlaubt. In den USA sind Anzeigen voreingestellt, Nutzer können widersprechen.
  • OpenAI stützt die Datenverarbeitung auf ein berechtigtes Interesse und argumentiert, kostenloser Zugang zu leistungsfähiger KI hänge an Werbeeinnahmen.

Was sich an der Datenschutzrichtlinie ändert

Die überarbeitete Richtlinie beschreibt erstmals konkret, wie Anzeigen in ChatGPT funktionieren sollen. Grundlage ist das sogenannte Kontext-Targeting: Die Werbung richtet sich nach dem Thema des aktuellen Chats, nicht nach einem über Wochen aufgebauten Nutzerprofil. Fragt jemand nach Wanderschuhen, kann eine passende Anzeige erscheinen, ohne dass frühere Unterhaltungen über Gesundheit oder Finanzen herangezogen werden. Ergänzend nutzt OpenAI nach eigenen Angaben nur wenige Umgebungsdaten: den ungefähren Standort, die Tageszeit und den Gerätetyp.

Wer künftig echte Personalisierung zulässt, muss aktiv zustimmen. Dann darf OpenAI auch Anzeigeninteraktionen und Details aus Chats einbeziehen, um Werbung genauer auszuspielen. Diese Zustimmung stützt der Konzern in der EU auf Artikel 6 der Datenschutz-Grundverordnung, der die Rechtsgrundlagen für die Verarbeitung personenbezogener Daten regelt. Für Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz ist die irische Tochter OpenAI Ireland verantwortlich; den Datentransfer in die USA stützt das Unternehmen auf den EU-Angemessenheitsbeschluss.

Was Werbetreibende sehen und was nicht

OpenAI betont, dass Firmen, die Anzeigen schalten, keinen Zugriff auf Gespräche, Chatverläufe, persönliche Angaben oder gespeicherte Erinnerungen bekommen. Sie erhalten nur zusammengefasste Leistungsdaten: wie oft eine Anzeige gesehen und wie oft sie angeklickt wurde. Das Targeting selbst läuft intern bei OpenAI ab. Anzeigen sollen deutlich als gesponsert gekennzeichnet und optisch klar von den Antworten des Modells getrennt sein.

Diese Architektur ähnelt dem, was Suchmaschinen seit Jahren tun, hat im Chat aber eine andere Qualität. Ein Gespräch mit einem Assistenten ist oft persönlicher als eine Suchanfrage, und die Grenze zwischen einer neutralen Antwort und einer bezahlten Empfehlung ist für Laien schwerer zu erkennen. Genau hier entscheidet sich, ob Nutzer der Trennung vertrauen. Wie viel ein KI-Dienst ohnehin über seine Nutzer erfährt, hat die Analyse von Protons AI Paper Trail gezeigt, die wir vergangene Woche besprochen haben.

Warum OpenAI diesen Schritt geht

OpenAI begründet die Werbung mit den Kosten. Kostenloser Zugang zu leistungsfähiger KI, so das Argument, lasse sich dauerhaft nur über zusätzliche Einnahmequellen finanzieren. Der Konzern verdient bereits an Abonnements und Programmierschnittstellen, doch die Zahl der zahlenden Kunden wächst langsamer als die der Gratis-Nutzer. Werbung erschließt jene Mehrheit, die nie ein Abo abschließen wird, und schafft einen zweiten Ertragspfad neben dem Abogeschäft. Der Testlauf begann im Frühjahr 2026 in den USA, Mitte August kamen Großbritannien, Mexiko, Brasilien, Japan und Südkorea hinzu. Wie schnell die Anzeigen danach auch Deutschland erreichen, hat OpenAI bislang offengelassen.

Der Schritt ist absehbar gewesen, seit OpenAI erfahrene Werbemanager von Meta und Google eingestellt hat. Für die Branche ist ein KI-Assistent mit hunderten Millionen wöchentlichen Nutzern ein attraktiver Werbeplatz. Aus Sicht der Nutzer verschiebt sich damit das Geschäftsmodell: Das Produkt wird nicht teurer, aber die Aufmerksamkeit im Gespräch bekommt einen Preis. Dass Menschen ChatGPT längst nicht nur für die Arbeit verwenden, sondern auch für sehr private Fragen, zeigen die unabhängigen Nutzungsdaten des AI Observatory.

Ausblick

Ob die versprochene Trennung zwischen Anzeige und Antwort trägt, wird sich erst im Alltag zeigen. Kritisch werden drei Punkte: ob personalisierte Werbung in der EU wirklich nur nach echter Einwilligung läuft, ob die Kennzeichnung von Anzeigen deutlich genug ausfällt und ob das Kontext-Targeting nicht doch schrittweise ausgeweitet wird. Für europäische Nutzer lohnt der Blick in die Einstellungen: Die Voreinstellung sollte hier ohne Zustimmung keine personalisierten Anzeigen erlauben. Wer das prüfen und den Widerspruch dokumentieren will, sollte das bald tun, bevor die Werbung flächendeckend ausgerollt ist.

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