OpenAI DevDay: Dauer-Agenten, GPT-6.1 Sol und ein 500-Dollar-Abo

Bühne einer Entwicklerkonferenz mit Publikum im abgedunkelten Saal
Photo by Alexandre Pellaes on Unsplash

OpenAI hat auf seiner Entwicklerkonferenz DevDay am 29. September in San Francisco mehr als 20 Neuerungen vorgestellt. Die drei wichtigsten: dauerhaft laufende Agenten namens dots, das deutlich günstigere Modell GPT-6.1 Sol und eine neue Preisstruktur für die Pro-Abos, inklusive eines Tarifs für 500 Dollar im Monat. Für Nutzer in Deutschland gibt es dabei einen Haken, der in den meisten Zusammenfassungen untergeht.

Das Wichtigste in Kürze

  • dots sind Agenten auf Basis von GPT-6 Astra, die rund um die Uhr arbeiten, einen eigenen Cloud-Rechner mit Browser haben und sich mit mehr als 4.000 Apps verbinden lassen. Pro-Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und in Großbritannien bekommen sie vorerst nicht.
  • GPT-6.1 Sol kostet in der API 2 Dollar pro Million Eingabe-Tokens und 10 Dollar pro Million Ausgabe-Tokens, ein Fünftel der Astra-Preise. Laut OpenAI kommt es beim agentischen Programmieren nah an Astra heran.
  • Pro 500 ist ein neuer Tarif für 500 Dollar im Monat mit dem schnellen Modus Ultrafast. Im bisherigen Pro-200-Tarif halbiert sich ab dem 30. Oktober das Kontingent in ChatGPT Work und Codex.
  • Dazu kommen ChatGPT Space als gemeinsamer Arbeitsbereich, der Dokumenttyp Pages, Plugin-Erweiterungen für Drittanbieter und ein Codex, der vollständig in der Cloud weiterläuft.

dots: Agenten, die nicht auf den nächsten Prompt warten

Bisher arbeitet ChatGPT, solange man mit ihm schreibt. Ein dot dagegen übernimmt eine Daueraufgabe und bleibt dran, auch zwischen den Gesprächen. Er bekommt einen eigenen Rechner in der Cloud samt Browser und greift über Plugins auf verbundene Dienste zu. Wenn der Nutzer gerade nicht mit ihm arbeitet, recherchiert der Agent laut OpenAI selbstständig in den angebundenen Apps, allerdings nur lesend. Was er darüber hinaus tun darf, legen Nutzer über sogenannte Custom Rules fest: erlauben, sperren oder vorher nachfragen. Einige Schritte, etwa das Ändern eines Passworts, bleiben grundsätzlich beim Menschen.

Die Idee ist nicht neu. Microsoft hat erst vor wenigen Tagen mit Autopilot einen ähnlichen Dauer-Agenten in Copilot eingebaut, samt Abrechnung nach Verbrauch. OpenAI geht beim Preis einen anderen Weg: Der erste dot ist im Pro- und im Business-Premium-Tarif ohne Aufpreis enthalten, weitere lassen sich laut Sam Altman gegen Bezahlung dazubuchen. Gespräche mit dem Agenten zählen nicht auf das Nutzungslimit, Aufgaben, die er in Codex oder ChatGPT Work erledigt, dagegen schon. Wer einen dot also viel arbeiten lässt, verbraucht damit sein Kontingent.

Für Deutschland entscheidend ist ein Satz aus OpenAIs Stellungnahme gegenüber der Presse: Für Pro-Kunden gelten der Europäische Wirtschaftsraum, die Schweiz und Großbritannien vorerst nicht als freigeschaltete Märkte. Business-Premium-Kunden sollen die Agenten dagegen in allen Regionen nutzen können, in denen ChatGPT angeboten wird. Einen Zeitplan für private Pro-Nutzer in Europa nannte OpenAI nicht.

GPT-6.1 Sol: fast Astra, für ein Fünftel des Preises

Nur eine Woche nach GPT-6 Sol schiebt OpenAI eine verbesserte Fassung nach. GPT-6.1 Sol kostet in der API 2 Dollar pro Million Eingabe-Tokens und 10 Dollar pro Million Ausgabe-Tokens. Wiederverwendeter Kontext, der sogenannte Cached Input, kostet 0,10 Dollar pro Million Tokens. Das ist die Hälfte dessen, was GPT-6 Sol dafür verlangt hat, und gerade für Programmier-Agenten wichtig, die in langen Sitzungen immer wieder denselben Code einlesen.

Die Leistungswerte stammen bislang ausschließlich von OpenAI selbst. Im Programmier-Benchmark DeepSWE soll GPT-6.1 Sol mit Astra gleichziehen, bei rund einem Fünftel der Kosten. Aufschlussreich ist eine Kostenrechnung aus Terminal-Bench Science: Eine Aufgabe kostet bei höchster Denkstufe im Schnitt 5,47 Dollar, gegenüber 23,21 Dollar bei Anthropics Opus 5.5 und 23,80 Dollar bei Astra. Die beste Trefferquote erreicht in diesem Test allerdings weiterhin Astra mit 68,1 Prozent. Das Modell steht Plus-, Pro-, Business-, Enterprise- und Edu-Kunden in ChatGPT Work und Codex zur Verfügung, im normalen Chatfenster von ChatGPT noch nicht.

Auffällig ist, was fehlt. Eine größere Astra-Version kam nicht. Nach Berichten, die unter anderem The Next Web aufgreift, hat OpenAI den für Oktober geplanten Start von GPT-6.1 Astra nach gescheiterten Sicherheitstests abgesagt. Das fügt sich in das Bild der vergangenen Tage, in denen OpenAI die Arbeit an seinen stärksten Modellen nach einem Ausbruchsvorfall pausiert hatte.

Neue Pro-Tarife: mehr Tempo oben, weniger Kontingent in der Mitte

Der neue Tarif Pro 500 kostet 500 Dollar im Monat und ist laut The Next Web der einzige Pro-Tarif mit Ultrafast. Dieser Modus beschleunigt GPT-6 Astra in Codex um bis zum Achtfachen, auf bis zu 300 Tokens pro Sekunde. Er zielt auf Entwickler, die den ganzen Tag mit einem Coding-Agenten arbeiten und bei denen Wartezeit echte Arbeitszeit kostet.

Weniger erfreulich ist die Änderung für den bisherigen Pro-Tarif für 200 Dollar. Ab dem 30. Oktober sinkt das enthaltene Kontingent in ChatGPT Work und Codex vom Zwanzigfachen auf das Zehnfache des Plus-Tarifs, Nachrichten an GPT-6 Pro sinken von 200 auf 100 pro Woche. Bestehende Abonnenten behalten ihre Limits bis zum 29. Oktober und erhalten einmalig Nutzungsguthaben im Wert von 2.500 Dollar, das zum Jahresende verfällt. Über die genaue Übergangsfrist gibt es allerdings unterschiedliche Angaben: BGR gibt den OpenAI-Produktverantwortlichen Thibault Sottiaux so wieder, dass die bisherigen Konditionen für einen nicht näher bestimmten Zeitraum weiterlaufen. Wer heute Pro 200 bucht, sollte also mit dem halbierten Kontingent rechnen.

Neu ist außerdem Sign in with ChatGPT: Plus- und Pro-Kunden können ihr Kontingent künftig in 16 Partnerwerkzeugen wie Devin, Notion und Vercel verbrauchen, statt dort ein zweites Abo abzuschließen.

Space, Pages und Plugins: ChatGPT wird zur Arbeitsumgebung

ChatGPT Space ersetzt die bisherige Bibliothek und wird zum gemeinsamen Ablageort für die Dateien eines Teams, zunächst für Pro-, Business- und Enterprise-Kunden im Web und in der Desktop-App. Darin liegen Pages, ein neuer Dokumenttyp, an dem Menschen, ChatGPT und dots gemeinsam arbeiten und der sich aus verbundenen Werkzeugen selbst aktualisieren kann. Über Plugin-Erweiterungen können Entwickler ganze Anwendungen in ChatGPT einbauen, etwa in die Seitenleiste oder in Dateiansichten. Erste Beispiele kommen von Canva, Figma und Adobe.

Für Programmierer ist der Umzug von Codex in die Cloud die praktischste Neuerung: Aufgaben laufen weiter, wenn der eigene Rechner schläft, und lassen sich auch vom Handy aus starten. Unternehmen adressiert OpenAI mit Private Intelligence, einer Infrastruktur, bei der automatische Sicherheitsprüfungen laufen, ohne dass OpenAI-Mitarbeiter die Inhalte zu sehen bekommen.

Einordnung: Das Abo wird zum Rechenbudget

Die Konferenz zeigt, wohin sich ChatGPT entwickelt: weg vom Chatfenster, hin zu Agenten, die im Hintergrund Arbeit erledigen. Das eröffnet neue Möglichkeiten, verändert aber auch die Rechnung für Nutzer. Ein Abo ist immer weniger eine Flatrate und immer mehr ein Rechenbudget, das Agenten im Hintergrund verbrauchen. Wer Pro 200 wegen des großzügigen Codex-Kontingents gebucht hat, bekommt ab November die Hälfte, während der schnellste Modus hinter der 500-Dollar-Schwelle liegt.

Für Entwickler ist GPT-6.1 Sol die eigentliche Nachricht des Tages. Wenn sich die Herstellerangaben in unabhängigen Tests bestätigen, sinkt der Preis für agentisches Programmieren auf Spitzenniveau deutlich. Für private Nutzer in Europa bleibt der sichtbarste Teil der Keynote dagegen vorerst ausgesperrt: Die dots, um die sich die Präsentation drehte, gibt es für Pro-Kunden hierzulande noch nicht.

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