
Ein Termin beim Friseur, eine Nachfrage zur Verfügbarkeit im Baumarkt, eine Reservierung im Restaurant: Solche Anrufe soll Gemini auf dem Pixel 11 künftig selbst führen. Google testet dafür eine Funktion namens „Call for me“, die nicht nur eine Nummer wählt, sondern mit dem Geschäft spricht. Für Menschen in Deutschland ist das vorerst eine Vorschau auf mögliche Alltagsanwendungen, kein heute nutzbares Pixel-Feature.
Das Wichtigste in Kürze
- Gemini kann in einem frühen Test Geschäfte anrufen, Informationen erfragen und Termine oder Reservierungen organisieren.
- Der Nutzer prüft Auftrag und freizugebende Angaben vor dem Anruf, sieht ein Live-Transkript und kann das Gespräch übernehmen.
- Der Start ist auf berechtigte Erwachsene in den USA mit Pixel 11, US-SIM, englischer Gerätesprache, Google-AI-Abo und Beta-Version der Telefon-App begrenzt.
- Google speichert laut eigener Darstellung Gesprächstranskripte auf seinen Servern; die Aufnahme bleibt in der Telefon-App auf dem Gerät.
Vom Wählen zum Erledigen
Ein Sprachassistent konnte schon bisher eine Telefonnummer wählen. Das Gespräch musste der Mensch dann selbst führen. Der neue Versuch verschiebt die Grenze: In der Gemini-App beschreibt man ein Ziel, etwa die Verfügbarkeit eines bestimmten Ersatzteils zu erfragen oder einen Tisch zu reservieren. Gemini soll die Nummer wählen, Telefonmenüs durchlaufen, in der Warteschleife bleiben und anschließend mit der Person am anderen Ende sprechen. Ein Ergebnis erscheint nach dem Anruf als Zusammenfassung.
Der Unterschied ist praktisch: Eine Anfrage nach Öffnungszeiten lässt sich häufig online beantworten. Ob ein bestimmtes Teil tatsächlich im Regal liegt oder ein Termin verschoben werden kann, erfordert dagegen oft ein Gespräch. Google versucht, genau diese Lücke zwischen digitaler Auskunft und analogem Geschäftsprozess zu schließen. Ob der Agent in schwierigen Gesprächen zuverlässig bleibt, lässt sich aus der Ankündigung allein noch nicht beurteilen. Google spricht selbst von einem frühen Experiment und beginnt mit einem begrenzten Kreis.
So läuft ein Anruf ab
Die Einrichtung ist bewusst eng gefasst. Laut Googles Hilfe braucht man einen Pixel 11 mit US-SIM, eine englische Gerätesprache, ein Google-AI-Abonnement sowie die öffentliche Beta der App „Phone by Google“. Der Nutzer muss mindestens 18 Jahre alt sein und sich in den USA befinden. Die Funktion wird schrittweise freigeschaltet; auch wer alle Voraussetzungen erfüllt, sieht sie möglicherweise noch nicht sofort. Angerufen werden können derzeit nur US-Nummern. Einen Termin bei einer deutschen Praxis kann man damit folglich nicht delegieren.
Im unterstützten Fall öffnet man Gemini auf dem Pixel und formuliert den Auftrag möglichst konkret: Geschäft, gewünschter Tag, Uhrzeit und akzeptable Alternativen. Der ausdrückliche Zusatz „@Call for me“ ist ebenfalls möglich. Vor dem Start zeigt Gemini eine Zusammenfassung mit der Zielnummer und den Angaben, die es weitergeben will. Erst nach der Prüfung tippt der Nutzer auf „Call for me“. Das ist mehr als eine Höflichkeitsstufe: Eine Reservierung mit falschem Datum wäre gerade deshalb lästig, weil die Automatik das Gespräch bereits geführt hätte.
Während des Anrufs kann man laut Google das Live-Transkript verfolgen oder den Ton mithören. Das Mikrofon bleibt zunächst stumm. Mit „Take over“ steigt man selbst ins Gespräch ein; Gemini kündigt den Wechsel an und verlässt den Anruf. Danach sind eine Ergebnisübersicht in Gemini sowie Transkript und Aufnahme in der Anrufliste der Telefon-App verfügbar. Der Anruf läuft über das Mobilfunknetz und die eigene Rufnummer; übliche Kosten des Mobilfunktarifs können anfallen.
Transparenz und Daten: Die zweite Seite des Komforts
Gemini erklärt am Gesprächsbeginn, dass es ein KI-Assistent von Google ist und erklärt, dass es im Auftrag einer namentlich genannten Person auf einer aufgezeichneten Leitung anruft. Auch die angerufene Seite muss also mit einem maschinellen Gesprächspartner umgehen. Google bietet Betrieben eine Möglichkeit, Anrufe von Gemini-Nutzern abzulehnen. Das ist relevant für kleine Geschäfte, deren Mitarbeiter nicht jede Rückfrage in einem automatisierten Dialog abwickeln möchten.
Bei persönlichen Angaben zieht Google eine weitere Grenze: Vor dem Anruf sollen Nutzer sehen und bestätigen, welche Daten Gemini nennen wird, etwa Name, E-Mail-Adresse oder Telefonnummer. Sensible Angaben wie Kreditkartennummern, Passwörter und Gesundheitsinformationen darf der Agent laut Hilfe nicht weitergeben; Zahlungen und Notrufe sind ebenfalls ausgeschlossen. Für einen Termin ohne solche Daten mag das reichen. Eine komplexe Angelegenheit bei Bank oder Arzt fällt aus dem vorgesehenen Einsatzbereich.
Die Datenschutzangaben sind genauer als das pauschale Versprechen, ein Anruf bleibe „auf dem Gerät“. Google speichert Transkripte auf seinen Servern, um Zusammenfassungen und die Anrufhistorie in Gemini bereitzustellen. Die Tonaufnahme speichert Google nach eigenen Angaben nicht auf seinen Servern; eine Kopie von Aufnahme und Transkript liegt lokal in der Telefon-App. Google sagt außerdem, diese Aufnahmen und Transkripte nicht zum Trainieren seiner KI-Modelle zu verwenden. Wer den Dienst nutzt, sollte vor dem Start prüfen, welche Angaben an das Geschäft gehen und welche Gesprächsdaten in den beiden Apps verbleiben.
Was der begrenzte Test zeigt
„Call for me“ ist für deutsche Pixel-Besitzer noch kein Kaufargument. Die Kombination aus US-Standort, US-SIM, englischer Sprache und Beta-Teilnahme schließt sie derzeit aus. Als Produktidee ist der Test dennoch aufschlussreich: Der Assistent bleibt nicht beim Vorschlag für eine Handlung stehen, sondern führt einen alltäglichen Schritt in der Außenwelt aus. Gerade deshalb zählen die Freigabe vor dem Anruf, die sichtbare Mitschrift und die Übernahme während des Gesprächs mehr als eine möglichst menschlich klingende Stimme. Ob daraus ein breiter Dienst wird, hängt auch davon ab, wie gut Betriebe mit solchen Anrufen zurechtkommen.

