
Google ersetzt die persönlichen Gemini-Gems durch „Skills“. Damit wandern wiederkehrende Anweisungen aus einem eigenen Spezial-Chat in den laufenden Dialog: Eine Fähigkeit lässt sich in verschiedenen Gesprächen aufrufen und mit weiteren kombinieren. Für Menschen, die sich einen Gem für Schreibstil, Lernhilfe oder Routineaufgaben eingerichtet haben, ist das mehr als ein neuer Name. Entscheidend sind die automatische Übernahme der Inhalte und die Frage, welche Funktionen am Übergang tatsächlich verfügbar sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Google kündigt die Umstellung der Gems in der Gemini-App ab November 2026 an; die Termine unterscheiden sich nach Kontotyp.
- Bestehende Gems sollen automatisch als Skills neu angelegt werden, einschließlich unterstützter Dateien.
- Skills lassen sich im Chat aufrufen, automatisch anwenden und miteinander kombinieren.
- Einige Gem-Werkzeuge funktionieren zum Start noch nicht in Skills; vorhandene Abläufe sollten deshalb geprüft werden.
Vom Spezial-Chat zur wiederverwendbaren Anweisung
Ein Gem war bislang ein eigener, angepasster Gemini-Assistent. Nutzer konnten ihm zum Beispiel einen Schreibstil, eine Rolle oder Hinweise für eine wiederkehrende Aufgabe geben und anschließend den passenden Gem öffnen. Google beschreibt einen Skill dagegen als gespeicherte Anweisung, die sich innerhalb eines beliebigen Gemini-Chats verwenden lässt. Wer eine Agenda nach festen Regeln erstellt, eine Nachricht in einem bestimmten Ton formuliert oder Vorschläge aus mehreren Perspektiven sammelt, muss die Vorgaben nicht bei jedem neuen Gespräch erneut schreiben.
Der Aufruf funktioniert laut Google derzeit mit einem Schrägstrich und dem Namen des Skills im Chat; ein Aufruf mit @ soll folgen. Gemini kann einen Skill auch selbst auswählen, wenn die aktuelle Anfrage dazu passt. Mehrere Skills lassen sich in einem Gespräch kombinieren. Das eröffnet etwa die Möglichkeit, eine Stilvorgabe und eine Formatvorlage auf dieselbe Aufgabe anzuwenden. Ob die automatische Auswahl im Einzelfall die richtige Anweisung trifft, muss der Nutzer am Ergebnis prüfen. Die neue Oberfläche macht Anweisungen flexibler, aber auch weniger sichtbar als ein bewusst geöffneter Spezial-Chat.
Google nennt als Beispiel für einen wirksamen Skill eine klare Beschreibung, wann er eingesetzt werden soll, knappe Regeln und konkrete Beispiele für die gewünschte Ausgabe. Für einen Redaktions- oder Büroalltag ist das greifbarer als eine vage Rolle wie „sei mein Experte“. Ein Skill für Besprechungsnotizen könnte etwa festlegen, welche Entscheidungen, Verantwortlichen und offenen Fragen am Ende stehen müssen. Anschließend lässt sich an einer echten Notiz prüfen, ob Gemini die Struktur einhält und keine Aufgaben erfindet.
Was mit vorhandenen Gems geschieht
Googles Hilfe nennt gestaffelte Fristen: Für private Google-Konten endet die Gem-Unterstützung im November 2026, für geschäftliche und gemeinnützige Workspace-Konten im März 2027 und für Workspace Education im Juni 2027. Google will die Gems bei der jeweiligen Abschaltung automatisch als Skills neu erstellen. Wer nichts unternimmt, soll seine bisherigen Anweisungen also nicht neu abtippen müssen. TechCrunch berichtete zusätzlich über einen Hinweis in der Gemini-App mit dem Datum 17. November für private Nutzer; die offizielle Hilfeseite nennt nur den Monat.
Die automatische Migration soll auch unterstützte Wissensdateien übernehmen. Wer früher wechseln möchte, kann den Gem manuell nachbauen: Namen, Beschreibung und Anweisungen kopieren, benötigte Dateien herunterladen und anschließend einen neuen Skill anlegen. Google beschreibt dafür sogar den Download eines Skill-Pakets mit einer Datei namens SKILL.md. Das ist für erfahrene Nutzer interessant, weil Gemini auch Skills anderer Plattformen über solche Dateien importieren kann. Aus der Dateiendung allein folgt jedoch keine Garantie, dass jedes fremde Werkzeug oder jede Anweisung unverändert funktioniert.
Ein weiterer Unterschied betrifft die Gesprächshistorie. Gems hatten eine eigene Ansicht für die jüngsten Unterhaltungen mit dem jeweiligen Spezial-Assistenten. Bei Skills erscheinen die Gespräche laut Google direkt in der allgemeinen Seitenleiste, weil dieselbe Fähigkeit in mehreren Chats genutzt werden kann. Wer einen Gem als thematischen Arbeitsraum verwendet hat, sollte deshalb vor der Umstellung prüfen, wie er seine alten Unterhaltungen wiederfindet und ob für seine Arbeit ein getrenntes Projekt weiter sinnvoll bleibt.
Die Lücken beim Wechsel
Google weist selbst darauf hin, dass Skills derzeit nur mit einem Teil der Gemini-Funktionen zusammenarbeiten. Verbundene Apps wie Workspace sind möglich; Canvas und Deep Research gehören noch nicht dazu. Mehrere Standardwerkzeuge aus Gems, darunter Video- und Musikerstellung sowie Guided Learning, sind für Skills ebenfalls noch nicht verfügbar. Wer genau solche Werkzeuge in einem bestehenden Gem nutzt, sollte vor einer manuellen Migration einen kleinen Probelauf machen, statt die bisherige Funktionalität vorauszusetzen.
Daneben trennt Google ähnliche Namen in verschiedenen Produkten nicht immer sichtbar. Die neuen Skills in der Gemini-App sind persönliche wiederverwendbare Anweisungen. Skills in Google Workspace können laut einem separaten Google-Beitrag gemeinsam in Docs bearbeitet und über Workspace Studio in Arbeitsabläufe eingebaut werden; ihre Freischaltung hängt von einer Administrator-Einstellung ab. Wer eine Firmenroutine plant, sollte daher die Funktionen und Berechtigungen seiner konkreten Umgebung prüfen und nicht aus der privaten Gemini-App auf Workspace schließen.
Was Nutzer jetzt tun können
Für einfache Schreib- und Formatvorgaben verspricht der Wechsel einen praktischen Gewinn: Die Regeln folgen dem Nutzer in verschiedene Chats, statt einen eigenen Gem-Dialog zu erzwingen. Es besteht kein Anlass, alle Gems vorsorglich von Hand zu kopieren, weil Google eine automatische Übernahme zusagt. Sinnvoll ist jetzt eine kurze Bestandsaufnahme: Welche Gems enthalten nur Anweisungen, welche hängen an Dateien oder Spezialwerkzeugen, und welche Ergebnisse müssen nach der Umstellung identisch bleiben? Mit diesen Beispielen lässt sich die Migration prüfen, sobald sie auf dem eigenen Konto ankommt.

