Apple gegen OpenAI: Neue Beweise und der Vorwurf der Vertuschung

Gerichtsakten und ein Laptop auf einem Tisch als Symbol für den Rechtsstreit zwischen Apple und OpenAI
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Im Rechtsstreit zwischen Apple und OpenAI um angeblich gestohlene Hardware-Geheimnisse hat Apple neue Unterlagen bei Gericht eingereicht, die der Konzern selbst als schockierend bezeichnet. Grundlage ist die forensische Auswertung eines Arbeitsrechners, den die Anwälte eines früheren Apple-Ingenieurs im August herausgaben. Apple wirft dem Mann und weiteren Ex-Beschäftigten nicht nur den Diebstahl vertraulicher Schaltpläne vor, sondern auch den Versuch, die Spuren zu verwischen. OpenAI weist die Vorwürfe als haltlos zurück und beantragt erneut, die Klage abzuweisen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Apple reichte Ende August neue forensische Beweise ein, die auf dem alten Apple-MacBook des früheren Mitarbeiters Chang Liu gefunden worden sein sollen.
  • Laut Klageschrift lud Liu vertrauliche Schaltpläne herunter und ließ eine KI-Agentensoftware die Schaltungssimulationen eigenständig durchrechnen.
  • Apple wirft Liu vor, im Juni gemeinsam mit einem weiteren Beschuldigten forensische Daten gelöscht zu haben, nachdem er von den internen Ermittlungen erfuhr.
  • Der Konzern hat die Klage auf elf frühere Beschäftigte ausgeweitet und verlangt beschleunigte Beweiserhebung sowie eine einstweilige Verfügung gegen OpenAIs Hardware-Entwicklung.
  • OpenAI nennt die Vorwürfe haltlos und führt sie auf Apples Schwierigkeiten zurück, Fachkräfte zu halten. Ein Urteil ist nicht vor 2027 zu erwarten.

Was Apple dem Ex-Ingenieur vorwirft

Im Zentrum der neuen Eingabe steht Chang Liu, laut Apple ein früherer Senior-Ingenieur für Elektrotechnik, der Anfang 2026 zu OpenAI wechselte. Vor seinem Weggang soll er Dutzende vertrauliche Dateien auf sein Apple-Notebook geladen haben, darunter einen als streng vertraulich eingestuften Schaltplan für künftige Apple-Hardware. Diesen Plan habe er in das verbreitete Simulationsprogramm LTspice übertragen und anschließend eine KI-Agentensoftware angewiesen, die Schaltungssimulationen selbstständig auszuführen. Apple argumentiert, gerade dieser Schritt sei besonders heikel: Fließen Geschäftsgeheimnisse einmal in ein KI-System, ließen sich die Folgen kaum zurückholen, weil sich das Wissen über das maschinelle Lernen unkontrolliert weiterverbreite. Der Konzern spricht von unumkehrbaren und sich fortpflanzenden Nutzungen.

Hinzu kommt der Vorwurf, Liu habe sich unbefugten Zugang verschafft. Nach Apples Darstellung nutzte er eine Schwachstelle in der Netzwerk-Anmeldung, um nach seinem Ausscheiden weiter auf firmeneigene Cloud-Speicher zuzugreifen. In Chatnachrichten, die Apple in frühere Schriftsätze aufgenommen hat, soll er sich darüber amüsiert und den Umstand mit Lach-Emojis kommentiert haben. OpenAI habe von diesem fortbestehenden Zugriff gewusst.

Der Vorwurf der Beweisvernichtung

Der schwerste neue Vorwurf betrifft den Juni 2026. Nachdem Liu erfahren habe, dass Apple gegen ihn ermittelt, habe er mit Yu-Ting Peng besprochen, wie sich genau jene forensischen Daten löschen ließen, die Apple zur Aufklärung benötige. Zusätzlich soll er einen Kollegen angewiesen haben, Apple-Geräte auf Werkszustand zurückzusetzen. Die jetzt vorgelegten Unterlagen entstanden nach Apples Angaben erst, weil Lius Anwälte im August dessen altes MacBook zur Untersuchung übergaben. Apple verlangt im Beweisverfahren zudem Zugriff auf einen bei OpenAI genutzten Mac mini.

Parallel hat Apple die Klage ausgeweitet: Statt gegen zwei richtet sie sich nun gegen elf frühere Beschäftigte. Namentlich genannt wird unter anderem Tang Yew Tan, früher verantwortlich für das Design von iPhone und Apple Watch. Er soll Bewerbungsgespräche genutzt haben, um noch bei Apple beschäftigte Fachkräfte nach Projekt-Codenamen, CAD-Daten, Prototypen und Lieferanteninformationen auszufragen, und Kandidaten geraten haben, möglichst lange bei Apple zu bleiben, bevor sie ihren Wechsel offenlegen. Apple nennt das Rekrutierung als Spionage.

Worum es wirklich geht: der Wettlauf um KI-Hardware

Der Streit ist Teil eines größeren Bilds. OpenAI übernahm 2025 die Hardware-Firma io des früheren Apple-Chefdesigners Jony Ive und arbeitet an einem eigenen KI-Gerät, das Nutzern den Zugang zu ChatGPT abseits des Smartphones eröffnen soll. Vor diesem Hintergrund liest Apple die Personalabgänge als Muster: Rund 400 frühere Apple-Beschäftigte arbeiten laut Klageschrift inzwischen bei OpenAI. Schon die ursprüngliche Klage vom Juli, über die wir bei ihrer Einreichung berichtet haben, warf OpenAI vor, gezielt Wissen abzuschöpfen und ausscheidenden Mitarbeitern beim Umgehen von Sicherheitsprozessen zu helfen.

OpenAI hält dagegen: Die angeblichen Geschäftsgeheimnisse blieben vage, Apple ersetze fehlende Fakten durch Anwaltsrhetorik. Restzugriffe seien Folge von Apples eigenem, schlecht organisiertem Offboarding. Liu habe nach seinem Wechsel nur auf Bitten früherer Kollegen auf Dateien zugegriffen. In einer frühen Stellungnahme nannte OpenAI die Anschuldigungen unbedacht, aggressiv und merkwürdig persönlich und führte sie auf Apples Probleme zurück, Talente zu halten und KI wirksam einzusetzen.

Einordnung: ein Präzedenzfall für die Branche

Unabhängig vom Ausgang zeigt der Fall zwei Entwicklungen, die über Apple und OpenAI hinausreichen. Erstens verschiebt KI die Sprengkraft von Geheimnisverrat. Ein Schaltplan, der in ein Modelltraining oder eine Agenten-Pipeline einfließt, lässt sich nicht so einfach zurückholen wie ein kopierter Ordner. Gerichte werden klären müssen, wie sie solchen Schaden überhaupt bemessen. Zweitens rückt der Talentkrieg der KI-Branche ins Rampenlicht: Wenn Hunderte Ingenieure denselben Weg von einem Konzern zum nächsten gehen, verschwimmt die Grenze zwischen normalem Jobwechsel und systematischem Wissenstransfer. Ähnliche Konflikte gibt es längst auch zwischen anderen Anbietern.

Für OpenAI steht kurzfristig mehr auf dem Spiel als Schadenersatz. Sollte das Gericht die beantragte einstweilige Verfügung erlassen, könnte das die Hardware-Pläne des Unternehmens für die Dauer des Verfahrens ausbremsen. Beide Seiten haben bereits mehrfach Anträge und Gegenanträge eingereicht, ein Urteil ist frühestens 2027 zu erwarten. Bis dahin dürfte der Fall vor allem eines liefern: einen öffentlichen Einblick in die Frage, wie sorglos oder wie kalkuliert in der KI-Branche mit fremdem geistigem Eigentum umgegangen wird.

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