OpenAI bietet US-Regierung offenbar 5-Prozent-Beteiligung an

Das US-Kapitol in Washington D.C. bei Tageslicht, Symbolbild für politische Entscheidungen in Washington
Photo by Louis Velazquez on Unsplash

OpenAI hat der US-Regierung laut einem Bericht der Financial Times angeboten, ihr fünf Prozent der Unternehmensanteile zu übertragen. Firmenchef Sam Altman will damit die amerikanische Öffentlichkeit finanziell am KI-Boom beteiligen – und zugleich den wachsenden politischen Druck auf sein Unternehmen abfedern. Die Gespräche laufen bereits seit über einem Jahr und könnten, sollten sie tatsächlich umgesetzt werden, zum Präzedenzfall für die gesamte Branche werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • OpenAI bietet den USA laut FT fünf Prozent seiner Anteile an, aktuell wert rund 42,6 Milliarden US-Dollar bei einer Unternehmensbewertung von 852 Milliarden Dollar.
  • Vorbild ist der Alaska Permanent Fund: Öleinnahmen fließen dort in einen Staatsfonds, der jährlich Dividenden an alle Einwohner auszahlt.
  • Altman schlägt vor, dass alle führenden US-KI-Labore – darunter auch Anthropic, Google und Meta – jeweils fünf Prozent ihrer Anteile einbringen.
  • Senator Bernie Sanders fordert deutlich mehr: eine öffentliche Beteiligung von rund 50 Prozent.
  • Die Idee gilt als früh und konzeptionell und könnte einen Kongressbeschluss erfordern.

Ein Vorschlag mit langer Vorgeschichte

Was wie eine spontane Ankündigung wirkt, ist tatsächlich das Ergebnis monatelanger Hintergrundgespräche. Laut Financial Times hat Altman die Idee einer Staatsbeteiligung bereits Anfang 2025 direkt bei der Trump-Administration platziert. Seither habe er wiederholt mit Präsident Donald Trump, Handelsminister Howard Lutnick und Finanzminister Scott Bessent über das Modell gesprochen, außerdem mit dem demokratischen Senator Bernie Sanders. Der Zeitpunkt des jetzigen Vorstoßes dürfte kein Zufall sein: OpenAI steht wegen des enormen Energie- und Flächenbedarfs neuer Rechenzentren, möglicher Arbeitsmarkteffekte durch KI-Automatisierung und wachsender Sicherheitsbedenken zunehmend im Fokus von Washington. Wie angespannt das Verhältnis zwischen führenden KI-Anbietern und dem Verteidigungs- und Regierungsapparat werden kann, zeigte sich zuletzt auch an anderer Stelle – etwa als Prinzipienfragen im Verhältnis zwischen OpenAI und dem Pentagon öffentlich wurden. Eine öffentliche Kapitalbeteiligung könnte aus Sicht des Unternehmens politischen Rückhalt schaffen, der über reine Lobbyarbeit hinausgeht.

Das Alaska-Modell als Blaupause

Kern des Vorschlags ist eine Struktur nach dem Vorbild des Alaska Permanent Fund. Der US-Bundesstaat investiert seit den 1970er-Jahren einen Teil seiner Öleinnahmen in einen Staatsfonds und schüttet daraus jedes Jahr eine Dividende an alle Einwohner aus – unabhängig von Einkommen oder Bedürftigkeit. Übertragen auf die KI-Branche sollen führende US-Entwickler jeweils fünf Prozent ihrer Firmenanteile in ein gemeinsames Vehikel einbringen, dessen Kapitalerträge dann an berechtigte Bürgerinnen und Bürger verteilt würden. Neben OpenAI kämen dafür laut Bericht auch Anthropic, aktuell mit rund 965 Milliarden Dollar bewertet, sowie Google und Meta infrage – ob diese Unternehmen zu einer Teilnahme bereit wären, ist bislang offen. Ein Vergleichsfall existiert bereits: Bei seinem Deal mit Intel hatte sich die US-Regierung im Gegenzug für Milliardensubventionen eine Beteiligung von 9,9 Prozent gesichert. OpenAIs Vorschlag würde diesen Ansatz von der Chipfertigung auf den KI-Sektor insgesamt ausweiten.

Zwischen Zustimmung und Skepsis

Die politischen Reaktionen fallen gemischt aus. Sanders begrüßte grundsätzlich, dass die Öffentlichkeit am KI-Vermögen beteiligt werden soll, hält fünf Prozent aber für deutlich zu wenig und fordert stattdessen eine Beteiligung von rund 50 Prozent. Das Weiße Haus äußerte sich zunächst nicht offiziell, OpenAI selbst lehnte eine Stellungnahme gegenüber der Financial Times ab. In der Branche wird zudem spekuliert, ob der Vorstoß auch taktische Gründe hat: Angesichts der gewaltigen Summen, die OpenAI derzeit in Rechenzentren und Recheninfrastruktur investiert – Größenordnungen, die erst kürzlich mit einer Kapitalrunde über 100 Milliarden Dollar unterstrichen wurden –, könnte eine engere Bindung an die Regierung auch als politische Rückversicherung für den Fall künftiger finanzieller oder regulatorischer Turbulenzen dienen. Kritiker warnen daher, die Ankündigung sei auch ein PR-Schachzug, um regulatorischem Gegenwind zuvorzukommen, ohne dass am Ende reale Kontrollrechte oder nennenswerte Dividenden für einzelne Bürger entstehen.

Was als Nächstes passiert

Nach Einschätzung der Financial Times befinden sich die Gespräche weiterhin in einem frühen, konzeptionellen Stadium. Offen sind zentrale Fragen: Wie genau würde die Beteiligung strukturiert, welche Stimmrechte erhielte der Staat, und wie ließe sich verhindern, dass eine öffentliche Beteiligung an einem privaten KI-Unternehmen zu neuen Interessenkonflikten führt, etwa bei der Regulierung der eigenen Anteilseigner. Eine gesetzliche Verankerung dürfte einen Kongressbeschluss erfordern – angesichts der politisch gespaltenen Ausgangslage kein triviales Unterfangen. Sollte das Modell dennoch Form annehmen, wäre es mehr als ein Symbolakt: Es würde die ohnehin enge Verflechtung zwischen der US-Regierung und den größten KI-Konzernen des Landes weiter vertiefen – mit Folgen, die weit über OpenAI hinausreichen dürften. Für europäische und insbesondere deutsche Beobachter lohnt sich dabei ein zweiter Blick: Sollte Washington tatsächlich zum Miteigentümer der prägenden KI-Unternehmen werden, verschiebt sich die geopolitische Balance zwischen staatlicher Aufsicht und privater Innovationsdynamik – ein Muster, das auch die europäische Regulierungsdebatte um Marktmacht und Datensouveränität beeinflussen dürfte.

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